SPD-Vizechefin Andrea Nahles besucht Physiotherapie- und Arztpraxis sowie Laden und Heilpädagogisches Zentrum

Veröffentlicht am 09.02.2008 in Veranstaltungen

"Sie haben sich den Fuß gebrochen?", begrüßte Andrea Nahles Alfred Bock, der im Jugendzentrum mit Krücken vor ihr stand. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende wollte beim Besuch in Irchenrieth wissen, wie es den Leuten geht, wo der Schuh drückt, wie politische Entscheidungen ankommen und was sich die Menschen von den Entscheidungsträgern in Berlin wünschen.

Ein Novum für die 1200-Einwohner Gemeinde nannte Bürgermeisterkandidatin Gertrud Diermeier den Besuch der Vizeparteivorsitzenden, die sie beim Bundesparteitag eingeladen hatte. "Ich komme aus einem Ort, der behauptet 500 Einwohner zu haben. Stimmt aber nicht, es sind nur 480", stellte sich das SPD-Energiebündel aus der Eifel vor. Im ländlichen Raum werde sich viel verändern. Der Bund müsse sich da aktiv einbringen, forderte sie.

"Und wo sind ihre Probleme, was können wir politisch machen?" Diese Frage stellte sie immer wieder an diesem Nachmittag. Zuerst in der Physiotherapiepraxis an Dominique Lesley, dann an Dr. Markus Hummel, im Laden von Barbara Wohlfart und zum Abschluss im Heilpädagogischen Zentrum. Nahles macht gerne solche Touren. Am Ende steht dann eine lange Liste von Anregungen, die sie im Büro abarbeitet.

Dem Sekt in der Krankengymnastikpraxis zog sie ein Gläschen Orangensaft vor. "Es ist Fastenzeit." Die Einrichtung einer solchen Praxis war der Politikerin nicht unbekannt "Hüftleiden, ich bin zu 50 Prozent schwerbehindert." Aber als Politiker lebe sie "wie Sau, da geht man erst zur Krankengymnastik, wenn es richtig weh tut." Nahles redet spontan, fragt intensiv, manchmal deftig, sorgt mit lockeren Sprüchen für entspannte Atmosphäre.

Dr. Hummel nimmt ebenfalls kein Blatt vor den Mund, beklagt, dass viele seiner Patienten im HPZ zu viele Medikamente selbst bezahlen müssen und schimpft auf die Praxisgebühr wegen des hohen Aufwandes für sich und seine Kollegen. Der SPD-Vizechefin gibt er ein Schreiben zum Austritt der Ärzte aus der Kassenärztlichen Vereinigung mit.

"Planungssicherheit und Nachwuchs fehlen", sagt er zur Situation der Allgemeinärzte nicht nur auf dem Land. "Außerdem kommt die Prävention zu kurz." Nahles stimmt zu, berichtet darüber, dass im kommenden Jahr Programme für Diabetiker zur Disposition stünden. "Ich bin mit dem Gesundheitsstandard nicht glücklich - gelinde gesagt."

Zum Abschied schenkt Hummel Nahles ein Wildkochbuch, zu dem er selbst ein Rezept beigesteuert hat. "Danke, ich schicke ihnen ein Wildschweinkochbuch, das meine Cousine gemacht hat", freut sie sich.

Eine Grundsolidarität der Einwohner, dass ihnen ihr Laden etwas wert sei, forderte Nahles beim anschließenden Besuch. Besitzerin Wohlfart beklagte, dass ihr Angebot immer weniger angenommen werde. "Selbst durch das Neubaugebiet erfahren wir wenig Zuspruch." Auf der anderen Seite sei es auch schwierig, von Großhändlern Ware zu bekommen. "Edeka hat alle kleinen Kunden abgestoßen. Da musst du noch was zahlen, dass sie dich beliefern."

aus oberpfalznetz.de

 
 

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