Regionale Handwerker brauchen Unterstützung der Politik

Veröffentlicht am 28.01.2008 in Wirtschaft

Beim wirtschaftspolitischen Diskussionsabend der SPD appellierte Kreishandwerksmeister Karl Arnold an die regionalen Behörden, bei Ausschreibungen die örtlichen Betriebe stärker zu berücksichtigen, die allzu oft vor allem zu Gunsten ostdeutscher Anbieter zurückgedrängt würden. Wie Horst Ott mahnte auch Arnold eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs im Interesse der Mobilität von Schülern und Lehrlingen an. Dem Handwerk dienlich wäre auch eine erhöhte private Bautätigkeit; diese setze freilich voraus, dass die Einkommen gesichert seien: „Man muss Geld in den Beutel der Menschen tun.“

Immerhin, so Arnold, habe sich die Befürchtung, dass billige Dienstleister aus Böhmen nach der Grenzöffnung das Oberpfälzer Handwerk „überrollen würden“, als grundlos erwiesen. Doch müssten die hiesigen Betriebe gleichwohl gegen die tschechischen Angebote mit hoher Qualität übrzeugen. Neue Arbeitsplätze könnten auch hier durch Betriebe geschaffen werden, die das wachsende Interesse an regenerativer Energie bedienten.

Unzufrieden zeigte sich Dr. Heinz Kaiser, Vorsitzender des Wirtschaftsclubs der Bayern-SPD, über die gegenwärtige Wirtschaftsförderungspolitik. Seit 2003 habe die Staatsregierung die Mittel hierfür massiv zurückgefahren und erst im Vorfeld der diesjährigen Wahlen wieder aufgestockt. Diese Sparpolitik habe das Wachstum vor allem „peripherer Regionen“ gestört. Zu wenig genutzt würden bisher auch die EU-Fördergelder für das Grenzgebiet zum früheren „Ostblock“.

Als wichtige Aufgabe benannte auch Kaiser ein Regionalmarketing, das die Stimmung in unserem Raum stärke und ihn – was in der Marketingstrategie des Kreises bislang zu wenig beachtet worden sei – nach außen hin bekannter und attraktiver macht. Dringend verbessert werden müsse die Bahnanbindung vor allem nach München. Der Aufbau regionaler und überregionaler Netzwerke von Wirtschaft und Hochschulen könne Fachkräfte und Unternehmen in unser Gebiet holen helfen. Gegen letzteres setzte IHK-Geschäftsführer Wolfgang Eck die Einschätzung, dass die Diskussion über diese sogenannte „Verclusterung“ überstrapaziert werde. Der Grafenwöhrer Bürgermeister Helmuth Wächter erwähnte in einem Diskussionsbeitrag das „Vierstädtedreieck“ als hoffnungsträchtiges Regionalmarketing-Projekt; diese Einschätzung wurde von Jürgen Spickenreuther (Wirtschaftsclub Nordoberpfalz) bestätigt.

Einig waren sich die Referenten darin, die gute Nachbarschaft zu Westböhmen nach Kräften zu pflegen. Die Oberpfalz müsse auch in diese Richtung werben, meinte etwa Wolfgang Eck, der darauf verwies, dass die ostbayerischen Geschäfte von vielen tschechischen Kunden aufgesucht würden. Einen besonderen „Standortvorteil“ der Oberpfalz lobte der Amberg IG-Metall-Sekretär Horst Ott: „In diesem Land kann man offen und ehrlich diskutieren: Es ist kein Land der ‚Schönredner’ und ‚Diplomaten’, aber eines, in dem man immer weiß, woran man ist.“

Die wichtigsten Aspekte der von ihr moderierten Diskussion fasste SPD-Landratskandidatin Annette Karl zusammen: die Optimierung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs auf ein Niveau, „das es jedem ermögliche, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz auch ohne Auto zu erreichen“, ein langfristiges professionelles Regionalmanagement, das dem Kreis womöglich zu einer ähnlichen Popularität verhelfe, wie sie Weiden noch heute dank „Witt“ und „Seltmann“ besitze, und eine Vernetzung sowohl mit der Metropolregion Nürnberg als auch in Richtung Böhmen. Bürger wie Politiker seien aufgerufen, das große Potenzial dieses Landes zu erkennen und zu nutzen, weniger zu klagen und mehr in die Offensive zu gehen. Mit einem Appell zur „guten und konstruktiven Zusammenarbeit“ über alle Meinungsunterschiede hinweg schloss Frau Karl die faktenreiche und sachliche Diskussionsrunde.

 
 

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