Nur in Radlerhosen sicher

Veröffentlicht am 25.03.2016 in Arbeitsgemeinschaften

Christine Trenner, AsF-Bezirksvorsitzende

Die Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und in anderen Städten machte die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen bei der Vorstandssitzung zum Thema. Die AsF fordert ein Umdenken in vielen Bereichen.

Im Turmrestaurant Obermeier in Klardorf eröffnete Bezirksvorsitzende Christine Trenner die Vorstandssitzung der AsF im Bezirk Oberpfalz. Mit von der Partie war neben den Vorstandsmitgliedern die stellvertretende Vorsitzende und Bürgermeisterin von Regensburg, Gertraud Malz-Schwarzfischer.

Täglicher Kampf

„Seit Jahren beschäftigt sich die AsF mit diesem Thema, nicht nur nach dieser Nacht“, stellte Vorsitzende Trenner fest. „Aber jetzt, da dieses Vorkommen von den Medien auch groß aufbereitet worden ist, prangert die AsF im Bezirk an, dass alle bisherigen Bemühungen von Frauen nicht beachtet worden sind.“ Es gehe hier nicht um Diskriminierung von Asylbewerbern oder Kriegsflüchtlingen, es gehe um den täglichen Kampf von Frauen gegen sexuelle Übergriffe.
Schlimm seien die Vorkommnisse in Köln und anderswo. „Aber muss erst so was passieren, dass „Mann“ darauf aufmerksam wird?“ Fragen über Fragen türmten sich in der Sitzung auf: Sexualisierte Gewalt in der Ehe, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, wie hoch ist die Dunkelziffer, wie viele Vergehen dieser Art werden nicht angezeigt? Warum traut „Frau“ sich nicht, den Vorgesetzten am Arbeitsplatz anzuzeigen? „Beispiele sind wohl auch hier zu nennen, bei Krankenschwestern und in vielen anderen Berufen wird das einfach so hingenommen“, sagte die Bezirksvorsitzende.
Es sei nicht nur ein Problem von Köln, sondern ein Problem in fast jeder Lebenslage. „Auf dem Oktoberfest haben die Bedienungen ebenso damit zu kämpfen“, meinte Trenner. „Wenn man deren Aussagen hört, dass sie nur mit ,Radlerhosen’ einigermaßen geschützt sind, dann sollten sich wirklich die Männer mal Gedanken über ihr Verhalten machen.“ Die AsF Oberpfalz fordert die Unterstützung aller Organisationen, die sich mit diesem Thema befassen. Vor allem fordert die AsF eine bessere finanzielle Ausstattung und Stärkung der Arbeit von Frauenhäusern.
„Ebenso ist eine Verschärfung des Strafgesetzes bezüglich sexueller Belästigung unabdingbar“, hob Trenner hervor. Auch der Ausbau von Beratungsstellen mit staatlicher Förderung sei eine längst fällige Maßnahme. „Aufklärung von Frauen ist dringend nötig, wenn betroffene Frauen es nicht anders kennen und Gewalt als normal betrachten.“

22 Prozent weniger Lohn
„Gewalt und Rassismus darf nicht auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden – das ist eine klare Forderung der AsF“, sagte Trenner. Noch immer verdienen Frauen gut 22 Prozent weniger bei gleicher Arbeit als Männer. „Daran muss gearbeitet werden.“ Die AsF sieht zum Beispiel die Einführung des Mindestlohnes als erste Verbesserung an. „Denn zum Großteil sind Frauen die Nutznießer hiervon.“ Auch die Altersarmut darf nicht aus den Augen verloren werden. „Sie ist fast gleich zu setzen mit Armut von Frauen im Alter.“ Um darauf verstärkt hinzuweisen, wird die AsF im Bezirk Oberpfalz Frauenhäuser besuchen. So treffen sich die Frauen am 18. März um 15 Uhr zu einem ersten Gespräch mit der Leiterin des Frauenhauses Weiden, Astrid Baierl. Weitere Besuche in Schwandorf und Regensburg sind im Laufe des Jahres vorgesehen.

Bild und Text: njn für Der Neue Tag

 
 

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