Fachgespräch des SPD-Kreisverbands: Wirtschaftsexperten diskutieren Chancen der Nordoberpfalz

Veröffentlicht am 26.01.2008 in Wirtschaft

Die Nordoberpfalz – im Herzen Europas, und doch noch immer von Politik und Wirtschaft allenfalls „im Augenwinkel“ wahrgenommen. Woran liegt’s? Nicht zuletzt daran, dass wir unser Licht noch immer gern unter den Scheffel stellen, obwohl es uns an Kreativität und Fleiß keineswegs mangelt.

Dies war eine der zentralen Aussagen des Fachgesprächs „Wirtschaft und Arbeit – Chancen für den Landkreis und die Region“, zu dem der SPD-Kreisverband Neustadt/WN in den Gasthof Heining nach Pressath eingeladen hatte. Vor vollem Saal moderierte Annette Karl, die sozialdemokratische Bewerberin um den Chef(innen)sessel im Landratsamt, die Diskussion, zu der sich fünf namhafte Fachleute aus dem Wirtschaftsleben eingefunden hatten.

Mit einigen statistischen Daten umriss Annette Karl die Lage unseres Landkreises. Erfreulich sei die rückläufige Arbeitslosenquote, die derzeit bei 4,7 Prozent liege – weniger als die Hälfte der Erwerbslosenquote in Weiden. Doch gebe es zu denken, dass drei Fünftel der Arbeitslosen Frauen seien, 35 Prozent zu den Langzeitarbeitslosen und 12 Prozent zu den unter 25-Jährigen zählten. Nachdem seit 2000 die Zahl der Sterbefälle und Wegzüge die der Geburten und Zuzüge stetig übertroffen habe, sei die Bevölkerung des Kreises seit vorigem Jahr leicht gewachsen, habe aber die 100.000 noch nicht wieder erreicht.

Dass der vielbeschworene „Aufschwung“ auch „in unserer Region ankomme“, scheine das gestiegene Steueraufkommen zu belegen. Indes falle auf, dass das Aufkommen an Lohn- und Umsatzsteuer im Vergleich etwa mit der Einkommens- und Kapitalertragssteuer nur unterdurchschnittlich gewachsen sei. Hieraus folge, so Karl, „dass der Aufschwung bei den ‚kleinen Leuten’ eben nicht ankommt und die Kaufkraft fehlt, um die Wirtschaft durch Käufe ‚anzukurbeln’.“ Besorgniserregend seien die Abwanderung junger, qualifizierter Menschen und die aus Karls Sicht unzureichende Wirtschafts- und Strukturförderung, die dem „Auseinanderklaffen der Lebensverhältnisse“ innerhalb Bayerns nicht wirksam entgegensteuere.

In der Verbesserung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, in der Schaffung von Arbeitsplätzen für Hochschulabsolventen, die in der Nordoberpfälzer Wirtschaft nur unterdurchschnittlich vertreten sind, und im Aufbau neuer, zukunftsfähiger Wirtschaftszweige sieht die Herausforderin wichtige Aufgaben auch für die künftige Kreispolitik. Die Politik könne zwar „selbst keine Arbeitsplätze schaffen, wohl aber Rahmenbedingungen optimieren.“ Gemeinsam mit der Bevölkerung, die zu Selbstbewusstsein und Tatkraft aufgerufen sei, gelte es, „unsere Region nicht länger schlechtzureden“, denn das habe sie ebenso wenig verdient, wie „zum überdimensionalen Golfplatz für Manager aus München degradiert zu werden, wie sich das ein Herr Rodenstock vorzustellen scheint.“

Dass die Strukturprobleme der Region auch auf „falsches und kurzfristiges Denken“ in der Vergangenheit zurückgingen, betonte der Pressather Bürgermeister Konrad Merkl (SPD) in seinem Gruß. Man habe sich lange Zeit auf der traditionell landwirtschaftsfixierten Struktur ausgeruht und Chancen, Unternehmen in der Nordoberpfalz anzusiedeln, vergeben. Inzwischen aber sei der Strukturwandel längst im Gange, und die Stadt Pressath sowie die Partnergemeinden der Verwaltungsgemeinschaft wiesen eine vielseitige Wirtschaftsstruktur auf und seien offen für neue Unternehmen, denen ausreichend Grund in „Top-Lage“ geboten werde.

Bericht: Dr. Bernhard Piegsa

 
 

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